P9

P 9 - Beschäftigung zwischen Mobilität und Stabilität

Projektleiter:
Prof. Dr. Olaf Hübler, Universität Hannover
Prof. Dr. Knut Gerlach, Universität Hannover
PD Dr.  Gesine Stephan, IAB Nürnberg

Projektmitarbeiter:
Dipl.-Ök. Thomas Cornelißen, Universität Hannover
Dipl.-Volksw. Stefan Schneck, Universität Hannover

Untersucht werden soll das Spannungsfeld zwischen Mobilität und Stabilität der Beschäftigung aus individueller und aus betrieblicher Sicht unter Berücksichtigung institutioneller Einflüsse. Grundsätzlich weisen stabile Beschäftigungsverhältnisse sowohl für Arbeitnehmer als auch für Betriebe Vor- und Nachteile auf. Abhängig Beschäftigte sind einerseits daran interessiert, nur geringen Entlassungsrisiken ausgesetzt zu sein. Andererseits wollen sie sich die Möglichkeit offen halten, sich durch Arbeitsplatzwechsel beruflich zu verbessern. Betriebe müssen in der Lage sein, auf Änderungen der Güternachfrage mit Anpassungen der Arbeitsnachfrage adäquat zu reagieren. Sie sind jedoch auch darauf angewiesen, betriebsspezifische Kenntnisse der Belegschaft zu nutzen und nicht stets wieder neu in Einarbeitung und Weiterbildung investieren zu müssen. Zudem bieten langfristig angelegte Arbeitsverhältnisse die Möglichkeit , personalwirtschaftliche Anreizinstrumente, wie eine Senioritäts- oder Turnierentlohnung, einzusetzen.

Ein wesentliches Anliegen des Projektes ist es, sowohl auf Arbeitnehmerseite als auch für Betriebe heterogene Gruppen zu identifizieren, die sich in Hinblick auf Mobilität und Stabilität unterscheiden. Lassen sich systematische Unterschiede im Mobilitätsverhalten qualifizierter und weniger qualifizierter Arbeitskräfte, junger und älterer Personen ausmachen? Es soll untersucht werden, welche Gründe unter welchen Bedingungen für flexible, welche für stabile Beschäftigungsverhältnisse sprechen.

In der laufenden zweiten Projektphase stehen drei Problemkomplexe im Vordergrund:

1. Zusammenwirken betrieblicher und individueller Determinanten des Mobilitätsverhaltens

Linked-Employer-Employee-Datensätze bieten die Möglichkeit, sowohl betriebliche als auch individuelle Eigenschaften, sowie deren Interaktion, als Determinanten für Mobilität und Stabilität zu untersuchen. Unter Nutzung des Linked-Employer-Employee-Datensatzes LIAB wird das Zusammenwirken unbeobachteter Personen- und Firmeneffekte auf Löhne und Beschäftigungsmobilität untersucht. Die Untersuchung der Interaktion dieser Effekte bietet die Möglichkeit Sortierprozesse von Personen in Betriebe aufgrund (für den Wissenschaftler) unbeobachteter Eigenschaften der Personen und Betriebe zu untersuchen.

2. Arbeitsplatzmerkmale, Zufriedenheit und Mobilität

Unter Nutzung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) wird eine reichhaltige Auswahl an Arbeitsbedingungen genutzt, um die Arbeitszufriedenheit und das Mobilitätsverhalten (Arbeitsplatzsuche und Kündigungsneigung) zu erklären. Unter anderem soll untersucht werden, ob es Arbeitsplatzeigenschaften gibt, welche einen starken Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit ausüben, aber geringen oder keinen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten haben, und ob es Arbeitsplatzeigenschaften gibt, welche einen starken Einfluss auf die Kündigungsneigung haben, ohne dass sie die Arbeitszufriedenheit stark beeinflussen.

3. Zyklisches und langfristiges Mobilitätsverhalten

Im Rahmen des dritten Problembereiches sollen folgende beiden Hauptfragen untersucht werden:
(i) Hat in den letzten Jahren die Mobilität in Deutschland zugenommen? Lässt sich gegebenenfalls ein Zeitpunkt feststellen, ab dem ein verändertes Verhalten wirksam geworden ist?
(ii) Bestehen Unterschiede im Mobilitätsverhalten in konjunkturell günstigen und ungünstigen Zeiten? Die empirischen Analysen basieren vorrangig auf Daten des SOEP. Aggregierte Daten sind der Fragestellung nicht angemessen. Für Untersuchungen mit dem LIAB stehen noch zu wenige Perioden zur Verfügung, um zyklische und trendmäßige Effekte erfassen zu können. Neben deskriptiven Statistiken, die die Mobilitätsunterschiede nach verschiedenen Merkmalen und im Zeitablauf auf univariatem Niveau herausarbeiten, werden vor allem ökonometrische Schätzungen durchgeführt.