P22

P 22 - Arbeitsmarkteffekte sozialpolitischer Maßnahmen

Projektbearbeiter:
Prof. Dr. Patrick Puhani, Universität Hannover
Katja Sonderhof, Universität Hannover
Falko Tabbert, Universität Hannover

Die soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland erlebt in diesen Jahren die schwerste Krise in ihrer Geschichte. Anhaltende Reformbemühungen in den Bereichen Gesundheit, Alterssicherung, Lohnersatzleistungen und Familienpolitik verdeutlichen die Breite der Problematik. Geringe Geburtenzahlen sowie geringe Beschäftigungsquoten gehören zu den wesentlichen Determinanten der Fragilität des Sozialstaates in seiner heutigen Form. Bekenntnisse der politischen Entscheidungsträger zum System „soziale Marktwirtschaft“ lassen häufig die Dynamik außer Acht, die der Sozialstaat in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Seit den späten 1950er Jahren wurde der wirtschaftliche Erfolg des jungen deutschen Staates zunehmend auch für eine Intensivierung des sozialen Ausgleiches genutzt. Beispiele sind höhere Leistungen für Arbeitslose, ein verlängerter Erziehungsurlaub oder die schrittweise Abschaffung von Karenztagen. Neben der politisch gewünschten Verteilungswirkung entstanden durch die genannten Reformen auch Anreize bezüglich des Arbeitsangebots und der Arbeitsnachfrage, die jedoch in früheren Jahrzehnten (vermutlich aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage und auch der mangelnden Verwertbarkeit von Personendaten) nicht erforscht wurden. Ziel dieses Projektes ist es, mit bisher zum Teil kaum genutzten Personen¬daten kausale Effekte sozialstaatlicher Reformen auf den Arbeitsmarkt zu bestimmen. Im Vordergrund des Projektes „Arbeitsmarkteffekte sozialpolitischer Maßnahmen“ stehen familienpolitische Reformen, die den rückläufigen Geburtenraten entgegenwirken und Verbesserungen für berufstätige Frauen mit Kindern bringen sollen. In dem Forschungsprojekt wird untersucht, wie sich die scheinbaren Verbesserungen für Frauen, z.B. durch längeren Erziehungsurlaub, auf die Situation der Frauen am Arbeitsmarkt auswirken. Hier wird empirisch erforscht, ob durch familienpolitische Reformen Nachteile für bestimmte Gruppen von Frauen entstehen. Darüber hinaus soll in diesem Projekt die deutsche mit der französischen Familienpolitik verglichen werden, da die französische Familienpolitik in der Regel als kinderfreundlicher gilt, was die Geburtenraten wiederum bestätigen. Aus dem Vergleich können Empfehlungen für die deutsche Familienpolitik abgeleitet werden. Ein weiterer Teil des Projektes untersucht, wie sich die schrittweise Abschaffung der Karenztage auf die Fehlzeiten der Arbeitnehmer auswirkt. Da die Reformen zur Abschaffung der Karenztage Ende der 1960er Jahre waren, enthalten die meisten Datensätze keine Daten über diesen Zeitraum. Aufgrund von Firmendaten können solche Reformen allerdings empirisch evaluiert werden.